Was ist eine Restschuldversicherung (RSV)?
Die Restschuldversicherung — kurz RSV oder auch Kreditschutzversicherung — ist eine Versicherung, die im Fall von Tod, Berufsunfähigkeit oder Arbeitslosigkeit deine Kreditraten übernimmt oder die Restschuld tilgt. Banken bieten sie häufig automatisch mit dem Kredit an — oft so, dass viele Verbraucher sie für Pflicht halten.
Wichtig zu wissen: Eine RSV ist niemals Pflicht. Banken dürfen den Kreditabschluss nicht von der Versicherung abhängig machen — das wäre Kopplungsgeschäft und verboten. Trotzdem werden RSVs deutschlandweit für mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr verkauft, weil viele Verbraucher unter Zeitdruck nicht prüfen, ob sich der Vertrag wirklich lohnt.
Was kostet eine Restschuldversicherung?
Die Kosten variieren stark je nach Anbieter, Alter, Kredithöhe und Laufzeit. Typische Beispielrechnung für einen 20.000-€-Kredit über 60 Monate:
- Nur Tod: ca. 200–400 € einmalig (oder 50–80 €/Jahr)
- Tod + Berufsunfähigkeit: ca. 600–1.200 € einmalig (oder 100–200 €/Jahr)
- Tod + BU + Arbeitslosigkeit: ca. 1.500–2.500 € einmalig (oder 250–400 €/Jahr)
Auf den Kreditbetrag bezogen sind das oft 5–12 % Aufpreis — Geld, das in den effektiven Jahreszins einfließt und den Kredit rechnerisch deutlich teurer macht. Bei 5.000-€-Krediten kann die RSV anteilig sogar mehr kosten als der Zins selbst.
Wann ist eine RSV sinnvoll?
Es gibt durchaus Situationen, in denen eine RSV ihren Preis wert ist:
- Alleinverdiener mit Familie: Wenn dein Einkommen die Familie trägt und Lebenspartner/Kinder bei deinem Tod oder bei BU finanziell nicht aufgestellt wären — dann sichert die RSV die Kreditraten ab.
- Große Kredite ab 50.000 €: Bei Modernisierungs- oder Auto-Krediten in dieser Größenordnung kann der RSV-Beitrag relativ zum Risiko angemessen sein.
- Junge Familien ohne andere Absicherung: Wenn keine Risikoleben- oder BU-Versicherung vorhanden ist und der RSV-Vertrag schnell verfügbar sein muss.
- Selbstständige mit instabilem Einkommen: Bei Auftragsausfall oder Krankheit greift die RSV — wichtig, da Selbstständige keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.
Aber selbst in diesen Fällen sollte der Tarif vor Abschluss verglichen werden — die Konditionen unterscheiden sich zwischen Anbietern stark.
Wann ist eine RSV NICHT sinnvoll?
In deutlich mehr Fällen lohnt sich der Verzicht auf die RSV:
- Eigene Risikolebensversicherung vorhanden: Eine separate RLV ist häufig günstiger als die im Kredit eingebettete RSV — und lohnt sich auch ohne Kredit weiter.
- Berufsunfähigkeitsversicherung vorhanden: Eine BU mit ausreichender Rente deckt das BU-Risiko deutlich besser ab als die RSV-Komponente.
- Kurze Laufzeit unter 24 Monaten: Bei kurzen Krediten ist das Risiko gering — die RSV-Kosten überwiegen den Nutzen.
- Kleine Kreditbeträge unter 5.000 €: Die RSV-Beiträge sind anteilig zu hoch — bei Bedarf lieber eine eigene Notreserve aufbauen.
- Gute eigene finanzielle Reserve: Wenn 3–6 Monatsgehälter auf dem Tagesgeldkonto liegen, ist das RSV-Risiko abgedeckt.
- Single ohne Unterhaltspflichten: Bei deinem Tod muss niemand die Kreditraten weiterzahlen — die Bank fordert die Restschuld einfach aus dem Nachlass.
Bessere Alternativen zur RSV
Wer die abgesicherten Risiken (Tod, BU, Arbeitslosigkeit) tatsächlich absichern möchte, fährt mit Einzelversicherungen meist besser:
- Risikolebensversicherung (RLV): Sichert ausschließlich den Todesfall — günstig (oft 100–250 €/Jahr für 100.000 € Deckung) und unabhängig vom Kredit.
- Berufsunfähigkeitsversicherung (BU): Zahlt monatliche Rente bei BU — die wichtigste private Versicherung für Berufstätige.
- Eigene Notreserve: 3–6 Monatsgehälter auf einem Tagesgeldkonto — sichert nicht nur den Kredit, sondern auch Wohnung, Auto und Lebenshaltung ab.
- Kürzere Kreditlaufzeit: Senkt das Risiko, dass „während der Laufzeit" etwas passiert. 36 Monate sind sicherer als 84.
Häufige Fallen vermeiden
Falle 1: „Pflicht"-Behauptung. Eine RSV ist niemals Pflicht. Wenn der Bankberater behauptet, der Kredit sei nur mit RSV möglich — das stimmt nicht. Notfalls beim Verbraucherzentrale-Bundesverband oder der BaFin melden.
Falle 2: Vorausgewählt im Online-Antrag. Bei vielen Online-Anbietern ist die RSV-Checkbox standardmäßig aktiv. Vor Abschluss prüfen und gezielt abwählen.
Falle 3: Im Kreditbetrag „mitfinanziert". Manche Banken finanzieren die RSV-Prämie über den Kredit selbst — du zahlst dann zusätzlich Zinsen auf die Versicherungsbeiträge. Effektiver Jahreszins steigt deutlich.
Tipp: Im Kreditvergleich auf den effektiven Jahreszins ohne RSV achten und beim Abschluss aktiv darauf bestehen, dass keine Versicherung dazugebucht wird.