Was passiert, wenn der Anbieter pleitegeht?
Geht dein Energieversorger insolvent, stellt er die Belieferung oft von einem Tag auf den anderen ein. Damit du nicht ohne Strom oder Gas dastehst, springt automatisch der örtliche Grundversorger ein – die sogenannte Ersatzversorgung (§ 38 EnWG). Du musst dafür nichts tun und nichts unterschreiben: Die Versorgung läuft nahtlos weiter. Eine Sperre droht nicht, nur weil dein bisheriger Anbieter zahlungsunfähig ist.
Der Haken: Die Ersatzversorgung ist teuer
Die Ersatzversorgung ist als Notlösung gedacht, nicht als Dauertarif. Die Preise liegen häufig spürbar über dem, was du vorher gezahlt hast. Gebunden bist du daran aber nicht: Du kannst die Ersatzversorgung jederzeit mit kurzer Frist kündigen und zu einem günstigeren Anbieter wechseln. Genau das solltest du zügig tun – jeder Monat in der teuren Auffanglösung kostet bares Geld.
Was du jetzt konkret tun solltest
- Zählerstand sofort ablesen und mit Datum fotografieren – schützt vor falschen Abrechnungen beim Wechsel.
- Alle Schreiben aufbewahren: Insolvenzmitteilung, letzte Rechnung, Vertragsunterlagen.
- Guthaben sichern: Vorauszahlungen oder Guthaben beim Insolvenzverwalter als Forderung anmelden (Adresse steht in der Insolvenzmitteilung).
- Neuen Tarif vergleichen und wechseln – raus aus der teuren Ersatzversorgung.
Welche Stromanbieter sind in den letzten Jahren insolvent geworden?
Die deutsche Energiekrise 2021–2023 hat eine ganze Insolvenz-Welle bei Stromanbietern ausgelöst. Vor allem Discounter und reine Online-Anbieter ohne eigene Beschaffungs-Infrastruktur waren betroffen. Sie hatten langfristige Festpreise an Endkunden zugesagt, mussten den Strom aber kurzfristig zu deutlich gestiegenen Großhandelspreisen einkaufen. Die bekanntesten Fälle:
- Stromio / grünwelt energie (Dezember 2021) – über eine Million Haushaltskunden landeten praktisch von einem Tag auf den anderen in der Ersatzversorgung. Die spektakulärste Pleite der Energiekrise.
- Lition Energie (2022) – Berliner Ökostrom-Discounter mit aggressiven Tarifen.
- Otima Energie (2022) – Frankfurter Anbieter, vor allem im Discount-Segment aktiv.
- fulminant energie (2022) – sächsischer Anbieter.
- Neckermann Strom (2022) – Konzern-Tochter, viele langjährige Kunden betroffen.
- Immergrün Energie (2022) – Hannoveraner Discounter mit großer Kundenbasis.
- Voxenergie (2023) – bayerischer Anbieter, einer der spätesten Fälle der Krise.
- Knauber Erdgas (2023) – regionaler Gasversorger im Rheinland.
2024 und 2025 hat sich der Markt deutlich beruhigt: Die Großhandelspreise sind gefallen, und überlebende Anbieter haben sich besser abgesichert. Trotzdem kann es jederzeit neue Fälle geben. Aktuelle Insolvenzverfahren sind im Bundesanzeiger und auf Insolvenzbekanntmachungen.de einsehbar.
Wer aktuell von einer Insolvenz betroffen ist und in der Ersatzversorgung steht, sollte schnell wechseln – der Preisunterschied zu Sondertarifen liegt 2026 typischerweise bei 8–12 ct/kWh, das macht bei 3.500 kWh Jahresverbrauch 280–420 € Mehrkosten pro Jahr.
Warnzeichen: wie erkenne ich einen wackelnden Stromanbieter?
Manche Insolvenzen kommen plötzlich, andere kündigen sich an. Diese Anzeichen sollten Kunden aufhorchen lassen:
- Auffällig günstige Tarife: Wer 5–8 ct/kWh unter dem Marktdurchschnitt anbietet und keine eigene Strom-Erzeugung hat, geht ein Risiko ein. Hohe Bonus-Versprechen (über 200 €) ohne lange Marktpräsenz sind ein Warnsignal.
- Verspätete Jahresabrechnungen: Wenn die Jahresrechnung mehr als sechs Wochen nach Ende des Abrechnungszeitraums kommt, ist Vorsicht geboten.
- Verzögerte Auszahlung von Boni oder Guthaben: Wenn versprochene Boni oder Rückerstattungen nicht zum vereinbarten Zeitpunkt eingehen, ist das ein klassisches Frühwarnzeichen.
- Schwankende Abschlagshöhen: Häufige Anpassungen ohne klare Erklärung deuten auf Liquiditätsdruck hin.
- Schlechte Erreichbarkeit der Hotline: Wenn der Kundenservice plötzlich tagelang nicht antwortet, ist intern oft etwas im Argen.
- Häufung negativer Bewertungen: Aktuelle Beschwerden über Abrechnungsprobleme sollten ernst genommen werden.
Wer einen oder mehrere dieser Indikatoren bei seinem Anbieter bemerkt, sollte den Marktüberblick einmal aktiv prüfen und sich einen Plan B bereithalten. Ein vorbeugender Wechsel ist deutlich einfacher als das Aussortieren in der Ersatzversorgung.
Bekomme ich mein Guthaben zurück?
Ehrliche Antwort: oft nur teilweise oder gar nicht. Im Insolvenzverfahren bist du ein einfacher Gläubiger und stehst hinten an. Melde dein Guthaben trotzdem fristgerecht beim Insolvenzverwalter an – ausgezahlt wird am Ende meist nur eine Quote. Für die Zukunft gilt: hohe Vorauszahlungen und Vorkasse-Pakete meiden, lieber monatliche Abschläge wählen.
Schnell wechseln lohnt sich
Je länger du in der Ersatzversorgung bleibst, desto teurer wird’s. In unserem Stromvergleich bzw. Gasvergleich findest du in wenigen Minuten einen günstigen Tarif – kostenlos und unverbindlich. Als Tippgeber zeigen wir dir die Angebote; der Wechsel läuft direkt beim Anbieter.